Sprachmaschinen

Gerade gelesen: Sprachmaschinen: Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz von Roberto Simanowski 📚

Umfangreiches Aufarbeiten der “Sprachmaschinen” (Bezug im Buch fast ausschließlich Sprachmodelle bzw. LLMs). Die philosophische Auseinandersetzung mit (neuer) Technologie hat lange Tradition, und schon im 20. Jahrhundert wurde dazu umfangreich gearbeitet. Signifikant neu sind die Themen und Argumente um Sprachmaschinen nicht, müssen (und werden im Buch) nur nochmal in den Kontext KI eingefügt werden.

Großer Teil des Buchs nimmt das Thema “Werte” ein: welchen Wertekanon soll ein in der USA an wahrscheinlich größtenteils englischsprachiger (und in englisch übersetze Quellen) trainiertes Modell einnehmen: universell, persönlich, lokalisiert? Was empfiehl z.B. das LLM einer Frau zur Frage nach dem Führerschein in Ländern, in denen Frauen nicht fahren dürfen. Diese Diskussion hat man, wie erwähnt, schon vor den KIs gelesen, zuletzt zur Regulierung von sozialen Medien. Leider ist der Autor nicht immer präzise, der “Westen”, der “globale Norden”, koloniales Europa und Anglosphere werden synonym benutzt, wo eine Abgrenzung sinnvoll gewesen würde.

Gefallen hat mir das technikphilosophische Kapitel um die Prägung, die neue Technologien in den Handlungsraum bringen. Hier führt Simanowski Gadammers Begriff des “Gestells” mit Gewinn ein und setzt einen frischen Gegenpunkt zu dem Marketing der großen Techfirmen. Definitiv lesenwert!